Pressesprecher vs. Ehrenamt

Aus gegebenem Anlass: Gedanken einer immer-mal-wieder bezahlten Presseverantwortlichen und anderweitig unbezahlten Ehrenamtlerin.

Aha: Die Wellen schlagen in den Medien mal wieder hoch, denn „die Piraten haben ein Problem“. 

Na und … Probleme sind dazu da, sie zu lösen und sich dadurch weiterzuentwickeln. Und im Idealfall damit Lösungsansätze in die Gesellschaft hineinzuentwickeln, von denen früher oder später viele oder gar alle etwas haben.

Grundsätzlich war der ehrenamtliche Ansatz bezüglich Parteiamtsträgerinnen der Piraten doch gar nicht verkehrt. Legion sind die, die das System der Berufspolitiker in Zweifel ziehen, bei dem weniger Berufung (oder gar Verantwortung gegenüber den Wählern) als vielmehr berufliches Vorankommen, vulgo Karriere, das politische Handeln bestimmt. 

Hier grundsätzlich andere Wege gehen zu wollen, war und ist doch an sich richtig. Leider, leider ist es dann aber einfach nicht so einfach. Wie in vielen anderen Fällen, so scheint es auch hier nicht möglich, eine negative Entwicklung einfach dadurch auszuhebeln, indem man sich auf die radikale Gegenposition einlässt.

Die Ehrenamtlichkeit der Bundespressesprecher musste ganz einfach scheitern … bei den Dimensionen, die die Anzalhl der Mitglieder und die Masse ihrer Themen und Aktivitäten, die Wahlen in Länderparlamente und die Vorbereitungen zur Bundestagswahl 2013 – und ganz besonders die mediale Aufmerksamkeit – inzwischen angenommen haben und die sich weiterhin sehr dynamisch entwickeln.

Warum? Weil es für den oder die Ehrenamtlerin kein „muss“ gibt. Ehrenamt findet statt, wenn alle anderen persönlichen Aktivitäten, Studium, Beruf, Familie, Freizeit, in ausreichendem Umfang befriedigt sind. Im Einzelfall vermischen sich die persönlichen Aktivitäten mit dem Ehrenamt, so dass mehr Zeit dafür aufgebracht werden kann. Grundsätzlich werden die ehrenamtlich Aktiven ihr Ehrenamt mit großem Engagement ausüben – und sich selbst damit aber immer wieder in innere Konflikte bringen. Doch jederzeit dürfen sie sagen: Ich kann heute nicht, ich will morgen nicht, denn ich muss ja nicht. Und jeder Grund ist dabei legitim. Die Entscheidung liegt immer beim Individuum selbst, wieviel oder wie wenig seiner Zeit sie oder er in das Ehrenamt investieren kann und will. Dabei ist meistens im Voraus nicht abzusehen, wie sich ein Ehrenamt ab dem Zeitpunkt, zu dem man es übernimmt, entwickelt und wann man in diesem Prozess an seine persönlichen Grenzen stößt.

Zudem stellt sich bei einer Funktion wie einem Pressesprecher die Frage, ob diese ab einer gewissen Organisationsgröße und -bedeutung überhaupt ehrenamtlich ausgeführt werden kann. Dies nicht nur aufgrund der zeitlichen, sondern auch der inhaltlichen Freiwilligkeit der ehrenamtlichen Arbeit. So sehe ich selbst die Kompensation für die ehrenamtliche Arbeit, die ich leiste, unter anderem darin, dass ich mir innerhalb eines gewissen Rahmens selbst aussuchen kann, wann ich mich wie intensiv worum kümmere, ein kleines knirschendes „muss“ hier und da auch mal inklusive. Kann und sollte der Pressesprecher einer Partei, die im kommenden Jahr im Bundestag sitzen wird, auch so rangehen? Oder, andersherum, darf die Organisation vom Ehrenamtlichen erwarten, sich, egal wie die Aufgabenstellung sich entwickelt, wie ein bezahlter Mitarbeiter zu verahalten? 

Im aus der individuellen Lebessituation herrührenden Einzelfall mag es aktiven Protagonisten einer inzwischen so stark gewachsenen Partei wie den Piraten gelingen, ihr Amt oder ihre Funktion auch ehrenamtlich in quasi hauptberuflicher Art und Weise auszufüllen. Das ist schön. Modell kann das nicht sein, darauf verlassen, dass das irgendwie und vor allem dauerhaft funktioniert, können und dürfen sich die Piraten aber nicht.

Verlassen können müssen sie sich darauf, dass die inneren Strukturen die Personen und Teams in Schlüsselfunktionen konfliktfrei in die Lage versetzen, die erforderliche Arbeit zum gegebenen Zeitpunkt optimal zu erledigen. Schmerzensgeld ist dabei sehr sinnvoll, Teamlösungen mit echter Teilzeit oder innovative Rotations-Modelle sollten das Ziel sein.

 

(Disclaimer: Dieser Text bezieht nicht auf konkrete, in die Gemengelage persönlich involvierte Personen und ihr Handeln, weder kritisierend noch affirmativ. Sondern stellt von der gegebenen Situation ausgehende allgemeine Überlegungen an!)

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