„Ausstellung kuratiert von Heutehier Morgendort in der Galerie Grüß August mit Arbeiten von Künstlern“

Bis vor kurzer Zeit waren sie – ausser in Museen und ähnlichen Institutionen, wo tatsächlich Bestände gepflegt, Projekte gehegt werden – noch weitgehend unbekannt. Heute dagegen geht es in der Kunstwelt scheinbar gar nicht mehr ohne sie, und das nicht nur in der raumlosen, vagabundierenden freien Szene: Kuratoren. Hört sich als Begriff ja auch ganz schön bedeutend an, lateinisch, fast akademisch, auf jeden Fall wichtig. Auch wenn es oft nur „ich frag einfach mal die Leute, die ich kenne“ bedeutet.

Je öfter mir dies also auffällt, je länger ich drüber nachdenke, umso mehr wundere ich mich. Dazu gleich mehr. Denn vorher ärgere ich mich auch noch: Zum Beispiel darüber, dass immer häufiger auf Einladungskarten oder Plakaten die Namen von Kuratoren, mitunter sogar ihrer Assistenten, genannt sind – nicht aber die Namen der Künstler. Dabei sind diese es doch, die mittels Inspiration, Können und Material Wert-Schöpfung betreiben. Und damit für Lebensunterhalt und ggf. Exixtenzberechtigung der Kuratoren sorgen … Oder wenn diese Kuratoren sich dann noch selbst als Künstler in „ihrer“ Ausstellung inszenieren. Da wird die Pflege zum Selbstzweck, die Ausstellung zum Kunst-Projekt, und Glaubwürdigkeit wie Relevanz bleiben möglicherweise auf der Strecke.

Wundern tue ich mich tatsächlich darüber, dass professionelle Galeristen freiwillig und in zunehmendem Maß mit Kuratoren zusammenarbeiten und sich dieser Zusammenarbeit auch noch rühmen. Denn ist nicht die Recherche und Auswahl von Themen und Künstlern, das Wissen um die Interessen der Sammler und, auch, die Beobachtung von Szene, Markt und Zeitgeist – wie die Verknüpfung dieser Aspekte miteinander – genau das, was den Galeristen vom Kunsthändler unterscheidet? Neben genereller Geschäftstüchtigkeit und Networkingqualitäten eine seiner wesentlichen Kernkompetenzen in einem Geschäft, das vor allem von Vertrauen und persönlichen Beziehungen lebt? Natürlich haben sich Galeristen schon immer helfen und beraten lassen: von Kunsthistorikern, Assistenten, ihrem Netzwerk etc. Allerdings: Im Hintergrund – die Urheberschaft für ihr Machen und die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg und das langfristige Gelingen oder Scheitern des eigenen Unternehmens „Galerie“ aber blieb ganz bei ihnen selbst. 

Diese Kernkompetenz also, die eng mit der existenziellen Verantwortung für die von der Galerie vertretenen Künstler verknüpft ist, wird derzeit mehr und mehr und offen sichtbar an freie Zuarbeiter delegiert. Zuarbeiter, die naturgemäß nicht auf Dauer einem einzelnen, bestimmten Auftraggeber, sondern seriell oder parallel vielen verpflichtet sind – und wohl ganz besonders auch sich selbst und ihrem Netzwerk. Lässt sich so für eine Galerie noch eine konsistente Handschrift entwickeln, bzw., umgekehrt, spiegelt sich die Handschrift eines freien Kurators dann nicht in vielen Galerien wider, eventuell auch noch zeitgleich? Was mag also dahinter stecken: Vielleicht der Versuch, sich in Richtung Museumsdirektor oder, diametral entgegen gesetzt, hipper junger freier Kunstszene zu strecken bzw. zu beugen?

[… ein kleiner Exkurs in die Welt der modernen, aus den Medien bekannten und beliebten Kochkünstler, selbstverständlich „Kuratoren“ der Speisekarten ihrer eigenen Sterne-Restaurants. Können sie das neben Dauer-TV-Präsenz und vielfältigen Aktivitäten, die in Folge aus ihrer Popularität entstehen, denn wirklich noch in vollem Umfang leisten? Der eine vielleicht mehr, der andere möglicherweise weniger … Inwieweit jedoch ihre – immerhin fest – angestellten Küchenchefs auch die „kuratorische“ Arbeit mitmachen, ob sie selbst kreieren oder lediglich die Vorgaben ihrer Arbeitgeber umsetzen, bleibt im Verborgenen. Denn sonst wären ja nicht mehr die Star-Köche selbst die Stars (sondern ihre Küchenchefs), wegen derer die Gourmet-Tempel auf Monate im Voraus ausgebucht sind. Und freien, wochenkartenweise von Tempel zu Tempel wandernde Küchenchefs erschienen dabei sehr absurd …]

Was also bleibt vom Galeristen, der sich offensiv auf seine Kuratoren beruft und damit gleichzeitig auf das Attribut „Kunstexperte, Künstlerentdecker, Ausstellungsmacher = icke“ verzichtet? Ist er dann nicht nur noch Kunsthändler, Raum-zur-Verfügung-Steller, PR- und Event-Manager, Chef-de-Service und Grüßaugust? Bezahlt wird alles sowieso von den Künstlern.

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