Internet ohne Treppen

Aus Gründen ein paar Worte Absätze zum Thema Inklusion mit Blick auf Barrierefreiheit im Internet.

Heute morgen habe ich mir aus gegebenem Anlass dieses Video auf stern.de mit der gehörlosen Bloggerin und Politikerin Julia Probst angeschaut. Danach ist mir wieder deutlich bewusst geworden: Es reicht nicht, für Inklusion zu sein, es reicht nicht, von Unternehmen, Organisationen, dem Staat zu fordern, für mehr Inklusion zu sorgen. Wir müssen alle selbst mehr Verantwortung übernehmen und ganz konkret schauen: Was kann ich selbst für mehr Inklusion tun?

Natürlich, der Begriff Inklusion unfasst viel mehr Aspekte, als allein die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Hier soll es jetzt aber nur darum gehen, noch dazu aus einem ganz bestimmten Blickwinkel: Barrierefreiheit im Internet, vor allem bezüglich Webseiten von Selbständigen, Gewerbetreibenden, Projekten, Vereinen etc. Die kleinen Seiten, die einfachen Seiten, die selbstgebauten Seiten.

Tatsächlich, und das ist gar nichts Neues, ist es ganz einfach, eine Webseite barrierefrei hinzukriegen: Standardkonform und semantisch korrekt codieren, zu 100% zwischen Content (HTML) und Layout (CSS) trennen, strukturell auf Flash verzichten, Text grundsätzlich als Text – und nicht als Grafik – darstellen, auf ausreichend Kontrast zwischen Hintergrund- und Textfarbe achten und bei Bildern konsequent den „alt“-Tag befüllen, LInks erkennbar und groß genug anlegen. Schon ist die Webseite ziemlich barrierefrei und kann auf den verschiedensten Ausgabegeräten vernünftig wahrgenommen werden.

Wer tiefer gehen will, kann unter anderem für Sehbehinderte alle Title- (konkrete Kurzinfo) und Alt-Tags (echte Bildbeschreibung) inhaltlich sinnvoll befüllen (auch gut für Leute, die die Anzeige von Bildern ausgeblendet haben) und, gerade für Gehörlose wichtig (sowie für Menschen, die nicht perfekt deutsch sprechen), anders mit Sprache umgehen, als wir hörenden Native Speakers es üblicherweise gewohnt sind. (Sorry: Dieser Text hier ist sprachlich weit weg von Barrierefreiheit, aber das geht jetzt nicht anders. Ich versuche das nachzuholen.)

Barrierefreie Webseiten nützen nicht nur Menschen mit Behinderungen: Es profitieren zum Beispiel auch Menschen, die, fern von einer wirklichen Behinderung, einfach „nicht so gut sehen“, Beispiel Altersweitsichtigkeit. Oder Rot-Grün-Blindheit. Und: Die Webseite lässt sich auch auf älteren internetfähigen Mobiltelefonen vernünftig anschauen. Barrierefreiheit macht die Webseite außerdem suchmaschinenfreundlicher, denn Standardkonformität ist ein Kriterium für das Google-Ranking.

Wer jetzt noch meint: „Aber auf meine Webseite, da gehen doch sowieso keine Menschen mit solchen Behinderungen, dass sie das stören könnte!“, die oder den frage ich: „Woher willst du das wissen?“ und sage „Ist doch egal. Biete es einfach an, dann ist es möglich – und du übernimmst selbst und freiwillig ein Stück Verantwortung für mehr Inklusion.“

Also: Machts einfach! Für alle!

 

LINKS

http://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/einfuehrung-barrierefreiheit/ 
Accessibility Test: www.wave.webaim.org
Farbkontraste checken: http://vischeck.homeip.net/imageEngine.php
HTML validieren: http://validator.w3.org
CSS validieren: http://jigsaw.w3.org/css-validator/
Mobile validator: http://validator.w3.org/mobile/

Suchmaschinen bemühen für mehr Informationen könnt ihr sicher alle selbst sehr gut 🙂

Meine persönliche Inklusions-Historie:

2001 hatte ich erstmals Kontakt mit dem Thema über einen befreundeten Web-Codierer. Mit ihm war ich zweimal bei der Preisverleihung des BIENE-Awards, mein absolutes Initiations-Erlebnis bezüglich Inklusion. Seit ca. 2005 codiere ich selbst – und nach (auch kundenabhängier) Möglichkeit in den meisten Fällen ziemlich barrierefrei … nicht immer vollumfänglich und perfekt, aber ich geb mir weiter Mühe. 2011 wurde ich für die Ausstellung MAKELLOS in meinem Laden arm und sexy für besondere (Offline-)Bemühungen um Barrierefreiheit“ im Rahmen des Kunst-Festivals NACHTUNDNEBEL ausgezeichnet.

Ich bin selbst recht stark weitsichtig und deshalb auch ein Stück weit auf vernünftige Accessibility angewiesen. Im Internet wirkt sich das nicht so schlimm aus, wozu gibt es denn zB die Apfel-Plus-Kombi, aber im Print sieht das schon wieder ganz anders aus. Dazu schreibe ich demnächst mal was.

 

Feedback: hallo@kultur-propaganda.de oder @k_propaganda

 

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